Objektorientierte Programmiertechniken
LVA 185.A01, VU, 3 ECTS, 2016/2017 W
7. Übungsaufgabe
Themen:
kovariante Probleme, mehrfaches dynamisches Binden
Termine:
| Ausgabe: |
07.12.2016 |
| Abgabe: |
14.12.2016, 12:00 Uhr |
Abgabeverzeichnis:
Aufgabe7
Programmaufruf:
java Test
Grundlage:
Skriptum, Schwerpunkt auf den Abschnitten 3.3.3 und 3.4
Aufgabe
Welche Aufgabe zu lösen ist:
Bei den Nagetieren der Felder und Wälder herrscht große
Wohnungsnot. Deshalb haben die Nagetiere beschlossen, ein Wohnungsamt
einzurichten, das die freien Wohnhöhlen verwaltet.
Das Wohnungsamt unterscheidet vier Arten von Wohnhöhlen:
- Baumhöhle groß
- Baumhöhle klein
- Erdhöhle groß
- Erdhöhle klein
Von jeder Wohnhöhle ist das Volumen in cm³ (Gleitkommazahl)
und die Monatsmiete in Cent (ganze Zahl) bekannt, bei Baumhöhlen
weiters die Höhe über dem Boden (ganze Zahl) und bei
Erdhöhlen der Durchmesser in cm (Gleitkommazahl).
Kleine Baumhöhlen werden an Eichhörnchen vermietet, große
Baumhöhlen an Grauhörnchen und falls keine kleinen Baumhöhlen
mehr vorhanden sind, auch an Eichhörnchen.
Kleine Erdhöhlen werden an Zwerghamster vermietet, große
Erdhöhlen an Ziesel und falls keine kleinen Erdhöhlen
mehr vorhanden sind, auch an Zwerghamster. Die Nagetiere wohnen in
Kolonien. Von jedem Nagetier ist bekannt, welche Wohnung es gemietet hat.
Entwickeln Sie ein Programm zur Verwaltung der Wohnhöhlen des Wohnungsamts
und der Nagetiere einer Kolonie.
Zumindest folgende Methoden sind zu entwickeln:
frei gliedert eine freie Wohnhöhle in den Bestand
des Wohnungsamts ein.
vermiete vermietet eine passende Wohnhöhle für ein
bestimmtes Nagetier und entfernt diese aus dem Bestand des Wohnungsamts.
Falls keine passende Wohnhöhle existiert, wird null
zurückgeliefert.
gesamtvolumen zeigt die Summe aller Volumen der Wohnhöhlen
im Bestand des Wohnungsamts auf dem Bildschirm an.
gesamtvolumen zeigt die Summe aller Volumen der Wohnhöhlen
aller Nagetiere einer Kolonie auf dem Bildschirm an (beachten, worauf
gesamtvolumen angewandt wird).
gesamtmiete zeigt die Summe aller Monatsmieten der Wohnhöhlen
aller Nagetiere einer Kolonie auf dem Bildschirm an.
Die Klasse Test soll wie üblich die wichtigsten
Normal- und Grenzfälle überprüfen und die Ergebnisse in
allgemein verständlicher Form darstellen.
Dabei sind Instanzen aller in der Lösung vorkommenden Typen zu
erzeugen.
Auch für das Wohnungsamt und Kolonien mit mehreren Nagetieren
sind eigene Objekte zu erzeugen und mindestens 3 unterschiedliche
Kolonien sind zu testen.
Testfälle sind so zu gestalten, dass sich deklarierte Typen
von Variablen im Allgemeinen von den dynamischen Typen ihrer Werte
unterscheiden.
Daneben soll die Datei Test.java wie gewohnt als Kommentar
eine kurze, aber verständliche Beschreibung der Aufteilung der
Arbeiten auf die einzelnen Gruppenmitglieder enthalten – wer was
gemacht hat.
In der Lösung der Aufgabe dürfen Sie folgende Sprachkonzepte
nicht verwenden:
- dynamische Typabfragen
getClass und instanceof sowie Typumwandlungen;
- bedingte Anweisungen wie
if- und switch-Anweisungen sowie bedingte
Ausdrücke (also Ausdrücke der Form x?y:z),
die Typabfragen emulieren (d.h., zusätzliche Felder eines Objekts, die einen
Typ simulieren und abfragen sind nicht erlaubt; z.B. ein enum der
Wohnhöhlenarten ist nicht sinnvoll, weil Abfragen darauf nicht erlaubt sind;
bedingte Anweisungen, die einem anderen Zweck dienen, sind dagegen schon erlaubt);
- Werfen und Abfangen von Ausnahmen.
Bauen Sie Ihre Lösung stattdessen auf (mehrfaches) dynamisches Binden auf.
Warum die Aufgabe diese Form hat:
Die Aufgabe lässt Ihnen viel Entscheidungsspielraum.
Es gibt zahlreiche sinnvolle Lösungsvarianten.
Die Form der Aufgabe legt die Verwendung kovarianter
Eingangsparametertypen nahe, die aber tatsächlich nicht
unterstützt werden.
Daher wird mehrfaches dynamisches Binden (durch simulierte
Multi-Methoden bzw. das Visitor-Pattern) bei der Lösung hilfreich
sein.
Alternative Techniken, die auf Typumwandlungen und dynamischen
Typabfragen beruhen, sind ausdrücklich verboten.
Durch dieses Verbot wird die Notwendigkeit für dynamisches Binden
noch verstärkt.
Sie sollen sehen, wie viel mit dynamischem Binden möglich ist,
aber auch, wo ein übermäßiger Einsatz zu Problemen
führen kann.
Was im Hinblick auf die Beurteilung zu beachten ist:
Die insgesamt 100 für diese Aufgabe erreichbaren Punkte sind
folgendermaßen auf die zu erreichenden Ziele aufgeteilt:
| (mehrfaches) dynamisches Binden richtig verwendet, sinnvolle
minimale Typhierarchie, möglichst geringe Anzahl an
Methoden und gute Wiederverwendung |
40 Punkte |
| Lösung wie vorgeschrieben und sinnvoll getestet |
20 Punkte |
| Zusicherungen richtig und sinnvoll eingesetzt |
15 Punkte |
| Geforderte Funktionalität vorhanden (so wie in Aufgabenstellung beschrieben) |
15 Punkte |
| Sichtbarkeit auf so kleine Bereiche wie möglich beschränkt |
10 Punkte |
Schwerpunkte bei der Beurteilung liegen auf der selbständigen
Entwicklung geeigneter Untertypbeziehungen und dem Einsatz
(mehrfachen) dynamischen Bindens.
Kräftige Punkteabzüge gibt es für
- die Verwendung der verbotenen Sprachkonzepte,
- die Verwechslung von statischem und dynamischem Binden (insbesondere
die Verwechslung überladener Methoden mit Multimethoden),
- Verletzungen des Ersetzbarkeitsprinzips (also Vererbungsbeziehungen,
die keine Untertypbeziehungen sind)
- und nicht der Aufgabenstellung entsprechende oder falsche
Funktionalität des Programms.
Punkteabzüge gibt es unter anderem auch für mangelhafte
Zusicherungen, schlecht gewählte Sichtbarkeit und unzureichendes
Testen (z.B. wenn grundlegende Funktionalität nicht
überprüft wird).
Wie die Aufgabe zu lösen ist:
Vermeiden Sie Typumwandlungen, dynamische Typabfragen und verbotene bedingte
Anweisungen von Anfang an, da es schwierig ist, diese aus einem
bestehenden Programm zu entfernen.
Akzeptieren Sie in einem ersten Entwurf eher kovariante
Eingangsparametertypen bzw. Multimethoden und lösen Sie diese
dann so auf, dass Java damit umgehen kann (unbedingt vor der Abgabe,
da sich sonst sehr schwere Fehler ergeben).
Halten Sie die Anzahl der Klassen, Interfaces und Methoden
möglichst klein und überschaubar.
Durch die Aufgabenstellung ist eine große Anzahl an Klassen und
Methoden ohnehin kaum vermeidbar, und durch weitere unnötige
Strukturierung oder Funktionalität könnten Sie leicht den
Überblick verlieren.
Es gibt mehrere sinnvolle Lösungsansätze.
Bleiben Sie bei dem ersten von Ihnen gewählten sinnvollen Ansatz
und probieren Sie nicht zu viele Ansätze aus, damit Ihnen nicht
die Zeit davonläuft.
Unterschiedliche sinnvolle Ansätze führen alle zu etwa
demselben hohen Implementierungsaufwand.
Was im Hinblick auf die Abgabe zu beachten ist:
Gerade für diese Aufgabe ist es besonders wichtig, dass Sie
(abgesehen von geschachtelten Klassen) nicht mehr als eine Klasse in
jede Datei geben und auf aussagekräftige Namen achten.
Sonst ist es schwierig, sich einen Überblick über Ihre
Klassen und Interfaces zu verschaffen.
Verwenden Sie keine Umlaute in Dateinamen.
Achten Sie darauf, dass Sie keine Java-Dateien abgeben, die nicht zu
Ihrer Lösung gehören (alte Versionen, Reste aus
früheren Versuchen, etc.).