Objektorientierte Programmiertechniken
LVA 185.A01, VU, 3 Ects, 2013/2014 W
6. Übungsaufgabe
Themen:
kovariante Probleme, mehrfaches dynamisches Binden
Termine:
| Ausgabe: |
20.11.2013 |
| Abgabe: |
04.12.2013, 12:00 Uhr |
Abgabeverzeichnis:
Aufgabe6
Programmaufruf:
java Test
Grundlage:
Skriptum, Schwerpunkt auf den Abschnitten 3.3.3 und 3.4
Aufgabe
Welche Aufgabe zu lösen ist:
Entwickeln Sie einen Teil einer Anwendung zur Verwaltung der in
einem Lager gelagerten Waren. Ein Lager kann folgende Arten von
Lagerplätzen anbieten:
- Lagerplatz mit Raumtemperatur,
- gekühlter Lagerplatz,
- tiefgekühlter Lagerplatz bei minus 18 Grad,
- tiefgekühlter Lagerplatz bei minus 30 Grad.
Jedes Lager hat eine fixe Anzahl an Lagerplätzen aller
vier Arten.
Ebenso gibt es Waren, die
- bei Raumtemperatur,
- gekühlt,
- tiefgekühlt bei minus 18 Grad oder
- tiefgekühlt bei minus 30 Grad
gelagert werden sollen.
Falls alle Lagerplätze mit Raumtemperatur belegt sind,
dürfen ausnahmsweise bei Raumtemperatur zu lagernde Waren an
einem gekühlten Lagerplatz gelagert werden.
Falls alle Tiefkühllagerplätze mit minus 18 Grad belegt sind,
dürfen ausnahmsweise alle tiefgekühlt zu lagernden Waren an
einem tiefgekühlten Lagerplatz bei minus 30 Grad gelagert werden.
Jede Ware ist mit einer eindeutigen Seriennummer und einem Namen versehen.
Die Lagerverwaltungsanwendung muss zumindest folgende Methoden zur
Verfügung stellen:
- store trägt ein Warenobjekt in ein Lager ein und
liefert einen Fehlercode zurück, der angibt,
ob das Einlagern erfolgreich war.
- remove entfernt ein Warenobjekt mit einer bestimmten
Seriennummer aus einem Lager und liefert die Referenz auf das Warenobjekt
zurück. Falls dieses Warenobjekt nicht existiert, wird null
zurückgeliefert.
- inventar zeigt die Seriennummern und Namen aller in einem Lager
gelagerten Waren auf dem Bildschirm an.
- utilization zeigt den Grad der Auslastung (wieviele der
verfügbaren Lagerplätze belegt sind) für ein gesamtes
Lager und jeweils für jede Art der Lagerplätze auf dem
Bildschirm an.
Die Klasse Test soll wie üblich die wichtigsten
Normal- und Grenzfälle überprüfen und die Ergebnisse in
allgemein verständlicher Form darstellen.
Dabei sind Instanzen aller in der Lösung vorkommenden Typen zu
erzeugen.
Auch für Lager sind eigene Objekte zu erzeugen und mindestens
3 unterschiedliche Lager (jeweils mit allen Arten von Lagerplätzen) zu testen.
Testfälle sind so zu gestalten, dass sich deklarierte Typen
von Variablen im Allgemeinen von den dynamischen Typen ihrer Werte
unterscheiden.
Daneben soll die Datei Test.java wie gewohnt als Kommentar eine kurze, aber verständliche Beschreibung der Aufteilung der Arbeiten auf die einzelnen Gruppenmitglieder enthalten – wer was gemacht hat.
In der Lösung der Aufgabe dürfen Sie folgende Sprachkonzepte
nicht verwenden:
- dynamische Typabfragen getClass und instanceof sowie Typumwandlungen;
- bedingte Anweisungen wie if- und switch-Anweisungen sowie bedingte
Ausdrücke (= Ausdrücke der Form x?y:z),
die Typabfragen emulieren (d.h., zusätzliche Felder eines Objekts, die einen
Typ simulieren und abfragen sind nicht erlaubt; z.B. ein enum der
Warenarten ist nicht sinnvoll weil Abfragen darauf nicht erlaubt sind;
bedingte Anweisungen, die einem anderen Zweck dienen, sind dagegen schon erlaubt);
- Werfen und Abfangen von Ausnahmen.
Bauen Sie Ihre Lösung stattdessen auf (mehrfaches) dynamisches Binden auf.
Warum die Aufgabe diese Form hat:
Die Aufgabe lässt Ihnen viel Entscheidungsspielraum.
Es gibt zahlreiche sinnvolle Lösungsvarianten.
Die Form der Aufgabe legt die Verwendung kovarianter
Eingangsparametertypen nahe, die aber tatsächlich nicht
unterstützt werden.
Daher wird mehrfaches dynamisches Binden (durch simulierte
Multi-Methoden bzw. das Visitor-Pattern) bei der Lösung hilfreich
sein.
Alternative Techniken, die auf Typumwandlungen und dynamischen
Typabfragen beruhen, sind ausdrücklich verboten.
Durch dieses Verbot wird die Notwendigkeit für dynamisches Binden
noch verstärkt.
Sie sollen sehen, wie viel mit dynamischem Binden möglich ist,
aber auch, wo ein übermäßiger Einsatz zu Problemen
führen kann.
Was im Hinblick auf die Beurteilung zu beachten ist:
Die insgesamt 100 für diese Aufgabe erreichbaren Punkte sind
folgendermaßen auf die zu erreichenden Ziele aufgeteilt:
| (mehrfaches) dynamisches Binden richtig verwendet, sinnvolle
minimale Typhierarchie, möglichst geringe Anzahl an
Methoden und gute Wiederverwendung |
40 Punkte |
| Lösung wie vorgeschrieben und sinnvoll getestet |
20 Punkte |
| Zusicherungen richtig und sinnvoll eingesetzt |
15 Punkte |
| Geforderte Funktionalität vorhanden (so wie in Aufgabenstellung beschrieben) |
15 Punkte |
| Sichtbarkeit auf so kleine Bereiche wie möglich beschränkt |
10 Punkte |
Schwerpunkte bei der Beurteilung liegen auf der selbständigen
Entwicklung geeigneter Untertypbeziehungen und dem Einsatz
(mehrfachen) dynamischen Bindens.
Kräftige Punkteabzüge gibt es für
- die Verwendung der verbotenen Sprachkonzepte,
- die Verwechslung von statischem und dynamischem Binden (insbesondere
die Verwechslung überladener Methoden mit Multimethoden),
- Verletzungen des Ersetzbarkeitsprinzips (also Vererbungsbeziehungen,
die keine Untertypbeziehungen sind)
- und nicht der Aufgabenstellung entsprechende oder falsche
Funktionalität des Programms.
Punkteabzüge gibt es unter anderem auch für mangelhafte
Zusicherungen, schlecht gewählte Sichtbarkeit und unzureichendes
Testen (z.B. wenn grundlegende Funktionalität nicht
überprüft wird).
Wie die Aufgabe zu lösen ist:
Vermeiden Sie Typumwandlungen, dynamische Typabfragen und verbotene bedingte
Anweisungen von Anfang an, da es schwierig ist, diese aus einem
bestehenden Programm zu entfernen.
Akzeptieren Sie in einem ersten Entwurf eher kovariante
Eingangsparametertypen bzw. Multimethoden und lösen Sie diese
dann so auf, dass Java damit umgehen kann (unbedingt vor der Abgabe,
da sich sonst sehr schwere Fehler ergeben).
Halten Sie die Anzahl der Klassen, Interfaces und Methoden
möglichst klein und überschaubar.
Durch die Aufgabenstellung ist eine große Anzahl an Klassen und
Methoden ohnehin kaum vermeidbar, und durch weitere unnötige
Strukturierung oder Funktionalität könnten Sie leicht den
Überblick verlieren.
Es gibt mehrere sinnvolle Lösungsansätze.
Bleiben Sie bei dem ersten von Ihnen gewählten sinnvollen Ansatz
und probieren Sie nicht zu viele Ansätze aus, damit Ihnen nicht
die Zeit davonläuft.
Unterschiedliche sinnvolle Ansätze führen alle zu etwa
demselben hohen Implementierungsaufwand.
Was im Hinblick auf die Abgabe zu beachten ist:
Gerade für diese Aufgabe ist es besonders wichtig, dass Sie
(abgesehen von geschachtelten Klassen) nicht mehr als eine Klasse in
jede Datei geben und auf aussagekräftige Namen achten.
Sonst ist es schwierig, sich einen Überblick über Ihre
Klassen und Interfaces zu verschaffen.
Achten Sie darauf, dass Sie keine Java-Dateien abgeben, die nicht zu
Ihrer Lösung gehören (alte Versionen, Reste aus
früheren Versuchen, etc.).